Zur Einführung

Wie gelangt ein Erzbischof als barocker Fürst zu Herrschaft und Macht? Unter welchen Umständen räumen selbst hartnäckige Widersacher am Ende das Feld? Wie gibt er seinem Land nach gewaltigen Kriegsverheerungen eine neue Ordnung, richtet Wirtschaft und Gesellschaft wieder auf? Wie repräsentiert ein solcher geistlicher und weltlicher Würdenträger Rang und Stellung angemessen, auch bei beschränkten Mitteln? Wie arrangiert er sich in diffizilen Erbschaftssachen einvernehmlich mit seinen fürstlichen Brüdern? Warum wird er in den Augen der Zeitgenossen durch die Förderung von Kunst und Kultur gleichsam unsterblich?
Diesen und weiteren spannenden Fragen geht die große Sonderausstellung Im Land der Palme. August von Sachsen (1614-1680) Erzbischof von Magdeburg und Fürst in Halle an authentischem Ort nach. Anlass ist der 400. Geburtstag des evangelischen Erzbischofs und Reichsfürsten, der in seiner Biografie Krieg und Frieden, Glaubensstreit und Machtstreben, Reformation und frühbarocke Repräsentation verbindet. Die Ausstellung führt die Besucher in das Mitteldeutschland des 17. Jahrhunderts und in eine Zeit dramatischer Umbrüche. Sie umfasst jahrzehntelangen Krieg und blutige Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken wie zugleich beispielhafte Bemühungen um Frieden, Ausgleich und Reformen sowie eine neue Blüte von Kunst, Kultur und Wissenschaften.
Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet die von August in Halle etablierte blühende barocke Hofkultur. Diese wird in ihren verschiedenen Facetten lebendig. Wertvolle Zeugnisse der Porträtkunst, Druckgrafik und Buchkunst, der Bildhauerei, der Schatz- wie Medaillenkunst, von Tischkultur und Jagdgerät sind für kurze Zeit zusammengetragen. Zahlreiche Exponate werden überhaupt erstmals öffentlich präsentiert. Die hochstehende Musikkultur, die Pflege der Oper sowie der deutschen Sprache am halleschen Hof werden auch in Begleitveranstaltungen erlebbar. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung die dynastischen Zusammenhänge und den politischen Rahmen von Augusts Herrschaft auf. So tritt Halle insgesamt wieder als Teil eines Netzwerks führender Residenzen im Mitteldeutschland des 17. Jahrhunderts hervor, von dem aus enge Beziehungen nach Dresden wie auch nach Weimar und Gotha bestanden.